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H enry Duarte Molina kenne ich seit der A-Lizenz Ausbildung in Hennef. Wir haben uns damals schon prima verstanden. Der Kontakt ist eigentlich nie abgebrochen. Er hat als Trainer schon einige Stationen hinter sich, unter anderem war er auch mal Co-Trainer bei Lothar Matthäus in Israel. Zuletzt arbeitete er als Sportdirektor der Nationalmannschaft in Costa Rica. Der Erfolg der Mannschaft bei der WM 2014 in Brasilien ist ja für alle noch sehr präsent. Seit Januar 2015 ist er nun Cheftrainer der Nationalmannschaft von Nicaragua. Er wollte mich direkt als Co-Trainer mit ins Boot holen. Nachdem sich seine Mannschaft überraschend für die 3. Runde der CONCACAF Gruppe qualifizierte, bekamen sie mit Jamaica unter Winnie Schäfer einen harten Brocken zugelost. Da ich während dieser Zeit Ferien hatte, war es mir möglich, ihn bei der Vorbereitung auf die Spiele am 4.9.2015 in Kingston/Jamaica und auf das Rückspiel am 8.9.2015 in Managua/Nicaragua als Co-Trainer zu unterstützen. Meine Frau und meine Töchter Jessica und Lisa flogen mit, um parallel Costa Rica und Nicaragua mit den vielen tollen Sehenswürdigkeiten zu bereisen. Die erste Urlaubswoche Am Dienstag, den 18. August starteten wir um 10.30 Uhr in Frankfurt/Main. Über Miami flogen wir nach Managua, der Hauptstadt von Nicaragua. Es dauerte insgesamt 16 Stunden und war eigentlich relativ easy. In Miami war es sehr stressig. Die ganzen Kontrollen und dann durch den Zoll, das nervte. Weiter ging es nach Managua, wo uns Henry mit seiner Frau am Flughafen abholte. Alle waren schon ziemlich platt, als wir zu sechst in seinem Wagen 1,5 Stunden nach Jinotepe zu deren Wohnung fuhren. Dort in der Nähe in Diriamba befindet sich auch das Quartier der Nationalmannschaft von Nicaragua. Nach ein paar Stunden Schlaf hat uns Henry - er hatte morgens Training - gegen Mittag abgeholt und wir fuhren zunächst nach Granada am Nicaraguasee. Mit einem Motorboot düsten wir auf eine kleine, traumhafte Insel im See. Es war genial, wir alleine auf dieser Insel. Nach dem stressigen Hinflug war das der perfekte Beginn unseres Urlaubs. Drei Tage Entspannung pur! Am Freitagnachmittag (21.8.) fuhren wir weiter nach Santa Rosa in Costa Rica, Henrys Wohnort, das liegt ungefähr 6 km von der Pazifikküste entfernt. Die nächsten Tage besuchten wir die tollen Strände am Pazifik. An einem Tag machten wir einen Ausflug zum Rio Celeste, einem türkisen Fluss in einem unglaublichen Naturpark. Henry hatte kurzfristig und spontan in der Nähe von Santa Rosa von Dienstag bis Freitag (25.8. 28.8.) ein Kurz-Trainingslager mit der Nationalmannschaft geplant. Er meinte auch, wenn im Flieger zum Hinspiel in Jamaica noch ein Platz frei wäre, dann könnte ich mitfliegen, um ihn dort im Training zu unterstützen. :-) Er würde diesbezüglich noch mit seinem Präsidenten sprechen. Das Trainingslager am Playa Grande Am Dienstagabend (25.8.) brachten mich die Damen zum Quartier der Nationalmannschaft am Playa Grande , die in der Zwischenzeit aus Nicaragua angereist waren. Henry stellte mich der Mannschaft vor und ich durfte dann eine kleine Ansprache halten - er hat natürlich übersetzt. Als ich dann am Ende ' Vamos Nicaragua' in die Runde rief, bekam ich Beifall und das Eis war gebrochen. Am nächsten Morgen hat mich Henry - um 7 Uhr - beim Torschusstraining eingebaut und am Ende der Trainingseinheit machte ich mit den Jungs noch eine viertel Stunde Life Kinetik. Es hat super Spaß gemacht. Die Spieler waren alle sehr bescheiden und freundlich. Am Mittwoch (26.8.) und Donnerstag (27.8.) war morgens Training und nachmittags ein Testspiel. Henry hatte donnerstags gegen 16.30 Uhr ein Spiel gegen seinen Wohnort Santa Rosa organisiert. Da war was los - viele Fans aus Nicaragua, die in der Gegend wohnen, sind nach dem Spiel auf den Platz gestürmt und haben Autogramme geholt. Die Spieler mussten gefühlt tausend Bilder machen. Dort war in diesen Tagen auch ein großes Fest, deshalb schauten wir am Abend noch dem traditionellen Bullenreiten zu. Am Freitag (28.8.) war morgens ein lockeres Regenerationstraining am Strand, mit Life Kinetik Übungen und 30 Minuten Auslaufen. Henry musste ich schon etwas bremsen, denn sonst hätte ich den ganzen Tag verschiedene Life Kinetik Übungen mit den Jungs machen müssen. Das wäre dann doch zu viel gewesen. Die Spieler waren sehr geschickt und haben die Übungen sehr gerne absolviert. Das Training in der Sportschule in Diriamba - Nicaragua Nach dem Mittagessen war das Trainingslager in Costa Rica leider vorbei. Das Quartier war super und es konnte gut trainiert werden. Mit einem grenzwertigen Bus fuhren wir nach Santa Cruz zu einem Testspiel gegen die dortige Zweitligamannschaft. Im Anschluss ging es direkt weiter nach Diriamba, zur Sportschule des Fußballverbandes. Die Fahrt mit Kontrolle an der Grenze dauerte 5 Stunden. Dort wurde am Sonntag (30,8.) und Montag (31.8.) nochmals trainiert und am Dienstag (1.9.) war der Abflug nach Jamaica geplant. Die Mannschaft war super, ich hatte die Jungs schon in mein Herz geschlossen - umgekehrt war es auch so. Sie würden am liebsten in den Flieger steigen und mit mir nach Deutschland fliegen. Da sind richtig gute Talente dabei. Mein Spanisch wurde von Tag zu Tag besser, sodass ich mich etwas mit ihnen verständigen konnte. In Nicaragua und Costa Rica muss man die deutsche Denkweise komplett ablegen. Habe Henry ein paar Tagen vor dem Jamaica-Trip gefragt, ob ich mir in Kingston ein Hotel buchen sollte? Er meinte: Mach dir mal keine Sorgen! Am Abend vor der Abreise wurde ich dann etwas unruhig, plötzlich stand gegen 21 Uhr die Sekretärin des Staatssekretärs da und drückte mir 400 Dollar für das Hotel in Kingston in die Hand. Zusätzlich bekam ich noch 50 Dollar Taschengeld. Ihr glaubt es nicht, unter welchen Voraussetzungen und Platzverhältnissen hier in Nicaragua in der Sportschule trainiert wird. Da würde bei uns kein Kreisligaspieler den Platz betreten. Was Henry aus der Truppe macht, das ist Wahnsinn. Er ist ein super Trainer - total konsequent. Da wird öfter mal ein Spieler nach 20 min vom Platz geholt, wenn er seine Idee von Fußball nicht umsetzt. Er spricht aber dann auch mit den Jungs und erklärt ihnen die Auswechslung. Deshalb ist auch keiner sauer. Zudem ist es sehr bemerkenswert, dass alle Spieler bei der Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung für den nominierten Spieler klatschen. Das ist alles einfach gelebter Teamgeist! Die letzten Vorbereitungen in Kingston/Jamaica Am 2.9. kam ich in Jamaica an und konnte sowohl beim Training als auch beim Spiel dabei sein. Es war total krass, der Staatssekretär hat meine Flüge und das Hotel in Jamaica (300 Dollar/Nacht) bezahlt. Das waren weit über 1000 Dollar. Er hatte sich im Vorfeld über meine Arbeit beim Trainer und der Mannschaft erkundigt. Offensichtlich waren alle zufrieden. :-) Ich wohnte, wie die komplette Mannschaft, im Pegasus Hotel bei Henry im Zimmer. In diesem Hotel war alles top. Wir wurden mit einem super Bus - mit Polizeischutz - zum Trainingsgelände gebracht. Am Stadion wartete ein FIFA Verantwortlichen auf uns, der alles überwachte. Am Mittwoch (2.9.) war ein Training auf einem Nebenplatz des Nationalstadions angesetzt. Dort angekommen, mussten wir im Bus warten, weil Schäfer gerade mit Jamaica trainierte. Sie sollten um 20 Uhr den Platz räumen. Irgendwann kam der FIFA-Mann und meinte ganz aufgeregt, dass Schäfer nicht vom Platz herunterginge und wir sollten uns doch einen anderen Platz suchen. Frechheit! Kurzfristig haben alle am Rad gedreht. Ich sagte zu Henry: Das sind doch Psychospiele von Schäfer. Sag dem FIFA-Mann, dass wir im Stadion trainieren, wo morgen das Spiel stattfindet. Nach einem kurzen Telefonat kam das ok der FIFA. Wir hatten dort ein super Training und konnten die Platzverhältnisse schon mal kennenlernen. Als die Mannschaft sich warm lief, sagte Henry grinsend zu mir: 1:0 für uns. :-) Am Donnerstag (3.9.) war morgens ein lockeres Training. Danach sind wir beide in einem wunderschönen Park nebenan noch gejoggt. In der Zwischenzeit war ich seine absolute Vertrauensperson und er setzte einiges von dem um, was sich in Gesprächen entwickelte. Man merkte an diesem Tag auch bei allen, dass die Anspannung deutlich stieg. Für die Jungs sollte es das größte Spiel ihrer Karriere bisher werden. Am Abend war um 18 Uhr das Abschlusstraining im Stadion angesetzt. Dort wurden gerade die Sitze wegen Moskitos etc. desinfiziert. Das hat so einen Krach gemacht, als wären gefühlt 100 Laubbläser am Werk. Nach ca. 20 min - die Mannschaft machte gerade ein super Aufwärmprogramm - marschierten plötzlich Kinder auf das Spielfeld, um die Zeremonie mit den Flaggen für das Spiel zu üben. Henry war auf 180 und beschimpfte alle, die ihm in die Quere kamen. Ich ging hin und sagte zu ihm: Henry, du machst gerade ein super Training, lass dich nicht ablenken und trainiere weiter. Ich werde das klären! Ich rannte zu dem zuständigen Herrn und sagte zu ihm: Stopp, you have no respekt, comes after the training again! Der FIFA-Mann stand stumm daneben. Der Jamaicaner schimpfte wie ein Rohrspatz! Ich verstand am Ende nur noch: …fuck you. Auf jeden Fall war die Probe beendet und das Training konnte stressfrei weitergehen. Am Spieltag (4.9.) machten wir morgens etwas Aktivierung mit Life Kinetik im Park. Wie immer vor jedem Training und Spiel wurde zuerst im Kreis gebetet. Um 18 Uhr fuhren wir zum Stadion, wie sonst auch hat uns unser Freund, der Polizist auf dem Motorrad, den Weg frei gemacht. Henry schenkte ihm 2 Tickets für das Spiel. Er war total happy. :-) Gegen 18.15 Uhr kamen wir am Nationalstadion an. Das WM-Qualifikationsspiel - "Der größte Tag in der Fußballgeschichte von Nicaragua" Ich weiß gar nicht wie ich den weiteren Ablauf beschreiben soll? Was die nächsten Stunden ablief, das habe ich so noch nie erlebt. Die Spieler machten Flaschen - drehen in der Kabine, tanzten und sangen. Unglaublich jeder deutsche Trainer würde sofort entlassen werden. Beim Aufwärmen habe ich mich mit Schäfer ganz gut unterhalten. Er war sich ziemlich siegessicher, wusste allerdings nichts über Nicaragua. Er war schlecht vorbereitet. Nach 15 grandiosen Minuten führten wir 2:0. Ich saß direkt neben Henry. Er sagte mir völlig euphorisiert: Manfred, heute passiert was Großes! Jamaica machte Druck ohne Ende. Nach der Halbzeit bereitete Juan - mit ihm flog ich am nächsten Morgen nach Managua zurück - das 3:0 genial vor. Schäfer drehte fast durch. Nach 70 Minuten waren unsere Jungs stehend k.o. Wir kassierten das 3:1, dann gleich danach das 3:2. Doch mit viel Glück, viel Herz und einem super Torwart war die Sensation nach 95 Minuten perfekt. Mit Gusto, dem Torwart, habe ich mich die ganze Zeit super verstanden. Ich habe ihm auch ständig vermittelt er sprach etwas Englisch wie wichtig seine Leistung in diesem Spiel sein wird. Nicaragua hatte noch nie so einen Erfolg in der Fußballgeschichte erreicht und Jamaica verlor seit 25 Jahren wieder mal im eigenen Stadion!!! Schäfer gratulierte nach dem Spiel anständig, verließ dann aber direkt das Stadion. Ganz Nicaragua flippte aus! Nach dem Spiel (23.30 Uhr) mussten wir in Kingston noch zur Botschaft von Nicaragua. Um 2 Uhr fiel ich todmüde ins Bett und 3 Stunden später wurden Juan (Spielführer - spielt in Altach/Österreich) und ich mit einem Taxi zum Flughafen gefahren. Die anderen flogen erst am Mittag (5.9.) zurück. Ich wurde nach meiner Ankunft gegen 14 Uhr in Managua von einem Fahrer des Verbandes zu Henrys Appartement nach Jinotepe gekarrt. Als die Mannschaft am Samstag gegen Abend am Flughafen landete, warteten dort über 2000 Menschen. Im Autokorso fuhren sie dann zum Hotel. Geschätzt 20 000 Menschen säumten die Straßen und feierten die Spieler. Die Presse und das Fernsehen berichteten den ganzen Tag von den Ereignissen. Das Stadion war fürs Rückspiel sofort ausverkauft und alle Fanartikel waren ruck zuck weg. Man konnte nur erahnen, was passieren würde, wenn die Mannschaft in die nächste Runde einzieht? Die letzten Tage vor der Rückreise Drei unvergessliche Wochen waren fast vorbei. Am Sonntag 6.9. machten wir noch einen Ausflug zum Vulkan Massaya in der Nähe von Jinotepe und am Montag (7.9.) wurde es gegen Abend nochmals interessant. Henry organisierte wieder einen Fahrer vom Verband, der uns zum Abschlusstraining der Mannschaft ins Nationalstadion nach Managua fuhr. Der Typ war als Autofahrer und als Mensch sehr grenzwertig. Beim Abschlusstraining waren die Jungs bester Stimmung und nach dem Training habe ich sie - auf spanisch - noch auf das Spiel eingestimmt. Das kam offensichtlich gut an. Das erneute Zusammentreffen mit den Spielern, Trainern und Betreuern war sehr herzlich und was ganz Besonderes für mich. Der Rückflug und das Ausscheiden Am nächsten Morgen (8.9.) flogen wir um 7 Uhr von Managua ab nach Miami. Um 17 Uhr düsten wir von dort aus - mit über 2 Stunden Verspätung - weiter nach Frankfurt. Als wir morgens um 8 Uhr landeten, erfuhren wir, dass Nicaragua das Rückspiel 2:0 verlor. Der entscheidende Treffer fiel in der 89. Minute nach einem Einwurf. Auch das erste Tor entstand nach einer Standardsituation. Freud und Leid liegen nahe beieinander. Trotzdem ist das sehr bitter für Henry, die Jungs und für die Fans von Nicaragua. Sie tun mir richtig leid! Fazit Ein spannender und ereignisreicher Fußball-Urlaub ging zu Ende. Wir haben viele nette, höfliche und bescheidene Menschen kennengelernt, tolle Strände und Naturparks gesehen. Landschaftlich sind das wirklich sehr schöne Länder - besonders Costa Rica ist sehenswert. Dieser Urlaub war von Henry und seiner Frau perfekt organisiert, das hat uns viel Stress erspart. Wir haben auch die andere Seite erleben müssen. Armut, bettelnde Menschen und Banditos-Menschen, die in einfachsten Verhältnissen, Dreck und Müll hausten. Streunende Hunde und abgemagerte Pferde suchten am Straßenrand nach Fressen und Autofahrer, die offensichtlich keine Rücksicht auf diese Tiere nahmen. (Nicaragua) Diese 3 Wochen werden wir nie vergessen! Manfred
Zertifizierter "Life Kinetik Trainer"
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